Sie nutzen KI in Ihrem Unternehmen oder planen es. Vielleicht ein Chatbot im Kundenservice, eine Bilderkennungssoftware in der Qualitätskontrolle oder ein KI-gestütztes Planungstool in der Produktion.
Dann betrifft Sie der EU AI Act – die erste KI-Verordnung weltweit.
Am 2. August 2026 wird es ernst: Ab dann gelten die vollen Compliance-Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.
Klingt bedrohlich? Muss es nicht sein.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen 10 kostenlose Ressourcen, mit denen Sie als Geschäftsführer ihres Unternehmens die Anforderungen verstehen, Ihre KI-Systeme einordnen und erste Compliance-Schritte einleiten können – ohne dass Sie dafür ein Investment tätigen müssen.
1. AI Act Explorer – Der Gesetzestext, endlich lesbar
🔗 artificialintelligenceact.eu/de/ai-act-explorer
Was es ist: Durchsuchbare Online-Version des vollständigen EU AI Act auf Deutsch
Kosten: Kostenlos
Zeitaufwand: Nach Bedarf (Nachschlagewerk)
Der EU AI Act umfasst 113 Artikel und 180 Erwägungsgründe. Kaum jemand liest das am Stück. Der AI Act Explorer des Future of Life Institute macht den Gesetzestext durchsuchbar – mit Volltextsuche, Querverweisen und klarer Strukturierung.
Warum das für Sie relevant ist: Wenn Ihr Anwalt oder Ihr Datenschutzbeauftragter eine bestimmte Anforderung zitiert, können Sie hier nachschlagen, was genau im Gesetz steht – in der offiziellen deutschen Fassung. Über 150.000 Nutzer pro Monat verwenden dieses Tool bereits.
💡 CEO-Tipp: Bookmarken Sie diese Seite. Sie werden sie öfter brauchen, als Sie denken.
2. EU AI Act Compliance Checker – Sind Sie betroffen?
🔗 artificialintelligenceact.eu – Compliance Checker
Was es ist: Interaktives Online-Tool zur Selbstbewertung
Kosten: Kostenlos, keine Registrierung nötig
Zeitaufwand: 10–15 Minuten
Die wichtigste Frage zuerst: Fällt Ihr KI-System überhaupt unter den AI Act? Und wenn ja: In welche Risikoklasse?
Dieser Compliance Checker führt Sie durch einen strukturierten Fragebogen und zeigt Ihnen am Ende:
- Ihre Rolle (Anbieter, Betreiber, Importeur)
- Die Risikoklasse Ihres KI-Systems
- Ihre konkreten Pflichten mit Verweis auf die relevanten Artikel
Das Tool wird regelmäßig aktualisiert (letzte Überarbeitung: Juli 2025) und ist auch als PDF-Flussdiagramm verfügbar.
💡 CEO-Tipp: Gehen Sie diesen Checker einmal für jedes KI-System durch, das Sie aktuell nutzen oder planen. Die Ergebnisse können Sie als PDF speichern – eine solide Grundlage für jedes interne oder externe Compliance-Gespräch.
3. Practical AI Act Guide – Vom Gesetz zur technischen Umsetzung
🔗 practical-ai-act.eu
Was es ist: Open-Source-Leitfaden des appliedAI Institute, gefördert vom Bayerischen Digitalministerium
Kosten: Kostenlos
Zeitaufwand: 2–4 Stunden für den Überblick
Hier wird es technisch – und genau das macht diese Ressource so wertvoll. Der Practical AI Act Guide verbindet erstmals systematisch rechtliche Anforderungen mit konkreten Engineering-Lösungen:
- Showcase: Ein durchgängiges Beispiel (fiktives HR-System), das Schritt für Schritt zeigt, wie man ein Hochrisiko-KI-System compliant macht
- Engineering Practice: Best Practices für vertrauenswürdige KI-Systeme (Monitoring, Testing, Dokumentation)
- AI Act Conformity: Jede gesetzliche Anforderung verknüpft mit technischen Maßnahmen
Warum das für Sie relevant ist: Wenn Sie einen IT-Leiter oder externe Dienstleister mit der Umsetzung beauftragen, ist dieser Guide die Referenz, an der sich deren Arbeit messen lässt. Er zeigt, was „compliant“ technisch bedeutet.
💡 CEO-Tipp: Leiten Sie diesen Link an Ihre IT-Abteilung weiter – mit der Bitte um eine kurze Einschätzung, welche Engineering Practices bereits umgesetzt sind und welche fehlen.
4. Risk Classification Database – 641 klassifizierte KI-Anwendungen
🔗 appliedai-institute.de – Risk Classification Database
Was es ist: Offene Datenbank mit 641 klassifizierten KI-Use-Cases und ihrer Risikoeinordnung
Kosten: Kostenlos, CC BY 4.0 Lizenz
Zeitaufwand: 30 Minuten zum Durchsuchen
Sie fragen sich, ob Ihre KI-Anwendung ein „hohes Risiko“ darstellt? Diese Datenbank des appliedAI Institute enthält 641 konkrete KI-Anwendungsfälle aus dem Unternehmenskontext – jeweils mit:
- Risikoklasse (Hoch, Niedrig, Verboten)
- Einordnung nach Anhang II und III
- Begründung der Klassifizierung
Von Chatbots im Kundenservice über predictive Maintenance bis zu HR-Tools: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein vergleichbarer Use Case zu Ihrem in der Datenbank ist.
💡 CEO-Tipp: Suchen Sie nach Anwendungsfällen, die Ihren ähneln. Die Risikoklassifizierung gibt Ihnen sofort eine erste Orientierung – bevor Sie teure Gutachten beauftragen.
5. KI-Campus: EU AI Act Essentials – Der Grundlagenkurs
🔗 ki-campus.org – EU AI Act Essentials
Was es ist: Interaktiver Online-Kurs (Videos, Quizzes, Use Cases)
Kosten: Kostenlos, mit Leistungsnachweis
Zeitaufwand: 8 Stunden (selbstgesteuert)
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Entwickelt von der TU München und dem appliedAI Institute. Dieser Kurs auf dem KI-Campus (der nationalen Lernplattform für KI) vermittelt in 8 Stunden:
- Ziele, Struktur und Grundprinzipien des EU AI Act
- Die vier Risikoklassen mit praktischen Beispielen
- Rollen und Verantwortlichkeiten (Provider, Deployer, National Authority)
- Verwandte EU-Gesetze (DSGVO, Produkthaftung)
- Fristen und Meilensteine der Umsetzung
Am Ende erhalten Sie einen Leistungsnachweis – dokumentiert, dass Ihr Unternehmen sich mit den Anforderungen auseinandergesetzt hat.
💡 CEO-Tipp: Dieser Kurs erfüllt die Anforderungen an KI-Kompetenz nach Artikel 4 des AI Act, der seit Februar 2025 in Kraft ist. Schicken Sie Ihre Führungskräfte durch – das ist nicht nur sinnvoll, sondern bald Pflicht.
6. KI-Kompetenz für KMUs – Der Mittelstands-Kurs
🔗 appliedai-institute.de – Kostenfreie Online-Kurse (Abschnitt „KI-Kompetenz für KMUs“)
Was es ist: Microlearning-Kurs speziell für kleine und mittlere Unternehmen
Kosten: Kostenlos
Entwickelt von: appliedAI Institute + Mittelstand-Digital (BMWK)
Während die meisten KI-Kurse für Tech-Unternehmen konzipiert sind, richtet sich dieser explizit an den Mittelstand. Er beantwortet die drei Fragen, die Sie sich als Geschäftsführer stellen:
- Macht KI für mein Unternehmen überhaupt Sinn?
- Wie starte ich mit KI – ohne Rieseninvestition?
- Wie komme ich vom Experiment zur echten Umsetzung?
Dazu kommen Module zum verantwortungsvollen und ethisch korrekten KI-Einsatz – direkt anwendbar auf die Compliance-Anforderungen des AI Act.
💡 CEO-Tipp: Perfekt für den Einstieg. Wenn Sie selbst noch keine klare Vorstellung haben, was KI konkret für Ihren Betrieb bedeutet, starten Sie hier – bevor Sie sich in Compliance-Details verlieren.
7. Handbuch „KI-Verordnung – Praxisbeispiele für KMU“
🔗 Kostenloser PDF-Download über die Mittelstand-Digital Zentren (Suche: „KI-Verordnung Praxisbeispiele“)
Was es ist: 41-seitiges Praxishandbuch mit 11 fiktiven KMU-Szenarien
Kosten: Kostenlos (PDF)
Herausgeber: Mittelstand-Digital Netzwerk (12 Zentren), gefördert vom BMWK
Das ist die Ressource, die dem Mittelstand am nächsten kommt. 11 realistische Szenarien aus Landwirtschaft, Fertigung und Dienstleistung – jeweils durchgespielt mit:
- Welche Rolle hat Ihr Unternehmen? (Anbieter, Betreiber, Importeur)
- In welche Risikoklasse fällt das System?
- Welche konkreten Pflichten entstehen?
Beispiele: KI-gestützte Bodensensoren, prädiktive Instandhaltung, Qualitätsprüfung, Chatbots, Produktionsplanung.
💡 CEO-Tipp: Lesen Sie die 2–3 Szenarien, die Ihrem Geschäft am nächsten kommen. Die meisten mittelständischen Anwendungen fallen unter „minimales Risiko“ – aber das sollten Sie schwarz auf weiß haben, nicht nur vermuten.
8. Bayerischer AI Act Accelerator – Beratung und Events
🔗 appliedai-institute.de – AI Act
Was es ist: Zweijähriges Förderprojekt für KMU, Start-ups und öffentlichen Sektor in Bayern
Kosten: Kostenlos (staatlich gefördert)
Laufzeit: Aktiv
Das Bayerische Digitalministerium finanziert dieses Projekt unter Führung des appliedAI Institute – in Zusammenarbeit mit LMU München, TU München und TH Nürnberg. Ziel: Compliance-Kosten senken, Umsetzungszeit verkürzen, KI-Innovation stärken.
Was Sie bekommen:
- Kostenlose Schulungen und Events
- Zugang zu Tools und Infrastruktur
- Community-Austausch mit anderen betroffenen Unternehmen
- Direkte Unterstützung bei der Risikobewertung
💡 CEO-Tipp: Wenn Ihr Unternehmen in Bayern sitzt, ist das ein No-Brainer. Melden Sie sich für den nächsten Workshop an – Sie treffen dort andere Geschäftsführer mit denselben Fragen.
9. Regulatory Sandboxes – KI-Systeme testen, bevor es ernst wird
🔗 Informationen über artificialintelligenceact.eu (Artikel 57–63)
Was es ist: Geschützte Testumgebungen für KI-Systeme, eingerichtet von nationalen Behörden
Kosten: Kostenlos für KMU (priorisierter Zugang, gebührenbefreit)
Status: Werden aktuell in den EU-Mitgliedsstaaten aufgebaut
Der EU AI Act sieht explizit vor, dass KMU bevorzugten und gebührenfreien Zugang zu sogenannten Regulatory Sandboxes erhalten. In diesen geschützten Umgebungen können Sie:
- KI-Systeme unter realen Bedingungen testen
- Compliance-Anforderungen praktisch erproben
- Direkte Rückmeldung von Aufsichtsbehörden erhalten
- Risiken identifizieren, bevor das System live geht
💡 CEO-Tipp: Behalten Sie die Entwicklung in Deutschland im Auge. Die BNetzA (Bundesnetzagentur) wurde als zuständige Marktüberwachungsbehörde benannt. Sobald die deutschen Sandboxes starten, sollten Sie unter den Ersten sein — der Lernvorteil ist enorm.
10. EU AI Act Newsletter – Am Ball bleiben
🔗 artificialintelligenceact.substack.com
Was es ist: Regelmäßiger Newsletter zu Entwicklungen rund um den EU AI Act
Kosten: Kostenlos
Frequenz: Mehrmals monatlich
Der EU AI Act ist kein statisches Gesetz. Die Umsetzung läuft, neue Leitlinien werden veröffentlicht, nationale Behörden nehmen ihre Arbeit auf, und die Interpretation einzelner Artikel wird konkretisiert.
Dieser Newsletter vom Team hinter artificialintelligenceact.eu fasst die wichtigsten Entwicklungen zusammen – kompakt, verständlich und praxisrelevant.
💡 CEO-Tipp: Abonnieren Sie und delegieren Sie das Lesen an Ihren Datenschutzbeauftragten oder Compliance-Verantwortlichen. Einmal im Monat ein 5-Minuten-Update ist besser als im August 2026 aufzuwachen und festzustellen, dass sich etwas geändert hat.
Zusammenfassung: Ihr 4-Schritte-Aktionsplan
Sie müssen nicht alles auf einmal machen. Hier ist die sinnvolle Reihenfolge:
| Schritt | Aktion | Ressource | Zeitaufwand |
|---|---|---|---|
| 1. Verstehen | Grundlagen des AI Act lernen | EU AI Act Essentials (#5) | 8h |
| 2. Einordnen | Ihre KI-Systeme klassifizieren | Compliance Checker (#2) + Risk Database (#4) | 1–2h |
| 3. Vertiefen | Branchenspezifische Szenarien prüfen | Mittelstand-Digital Handbuch (#7) | 1h |
| 4. Umsetzen | Technische Anforderungen verstehen | Practical AI Act Guide (#3) | 2–4h |
Gesamtaufwand für die Erstbewertung: ca. 12–15 Stunden. Verteilt auf zwei Wochen ist das ein halber Tag pro Woche — eine überschaubare Investition angesichts möglicher Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Umsetzung?
Diese 10 Ressourcen geben Ihnen eine solide Grundlage. Aber die eigentliche Arbeit beginnt danach: Risikobewertung, Dokumentation, technische Maßnahmen, Schulung der Mitarbeiter, laufendes Monitoring.
Auch hier unterstütze ich mittelständische Unternehmen – mit einem strukturierten KI-Audit, das Ihre Systeme einordnet, Lücken identifiziert und einen konkreten Maßnahmenplan erstellt.
→ Kostenloses Erstgespräch vereinbaren – 30 Minuten, in denen wir gemeinsam klären, wo Sie stehen und was bis August 2026 zu tun ist.